Warum Energieeffizienz oft an der Realität im Gebäude scheitert
Wenn über Energieeffizienz gesprochen wird, geht es häufig um umfangreiche Programme, neue Anlagen oder langfristige Sanierungspläne. Das mag auch wichtig sein, aber in Bestandsgebäude beginnt Effizienzsteigerung früher.
Smart Heating macht Energieeffizienz endlich schnell erreichbar
Niemand weiß genau, wie sich Temperaturen, Nutzung und Heizleistung in den einzelnen Räumen verhalten. Daher wird Energie auch unbemerkt verschwendet. Räume werden beheizt, obwohl sie kaum genutzt werden. Heizkörper arbeiten ineffizient. Ventile reagieren nicht richtig. Temperaturabweichungen fallen erst auf, wenn Beschwerden entstehen oder der Verbrauch zu hoch ist. Aus meiner Sicht ist das einer der unterschätzten Hebel im Bestand.
Murat Mutlu - IoT-Portfoliomanager bei Conneqtive - befasst sich mit den Herausforderungen rund um das IT-Infrastruktur- & IoT-Lösungsmanagement an den drei Chempark-Standorten in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Von diesen Learnings und Best Practices können seit kurzem auch Unternehmen in anderen Industrieparks profitieren.
Der erste Schritt ist nicht Automatisierung, sondern Transparenz
Smart Heating wird häufig als technische Lösung beschrieben. Sensoren, Funkstandards, Aktoren, Datenplattformen. Das ist alles relevant. Aber der eigentliche Nutzen entsteht aus meiner Sicht erst, wenn der Betrieb eine einfache Frage beantworten kann: Was passiert gerade wirklich in unseren Räumen?
Wenn Temperatur, Feuchtigkeit, CO₂-Werte oder Belegung kontinuierlich sichtbar werden, verändert sich die Diskussion. Dann geht es nicht mehr um Vermutungen, sondern um konkrete Zustände. Aus einzelnen Messwerten werden Trends. Aus Trends werden Entscheidungen. Und aus Entscheidungen wird eine Heizungsregelung, die sich stärker am tatsächlichen Bedarf orientiert.
Warum LoRaWAN im Bestand so gut passt?
In bestehenden Gebäuden ist Nachrüstung oft eine Hürde. Niemand möchte für jeden Sensor neue Kabel ziehen oder tief in bestehende IT- & Gebäudenetze eingreifen. Hier spielt LoRaWAN seine Stärke aus: Sensoren kann man überall dort einsetzen, wo eine klassische Verkabelung zu aufwendig oder zu teuer wäre - selbst in abgelegenen Räumen, Kellern, Schächten oder weit verteilten Gebäudebereichen.
Ein Long Range Wide Area Network - kurz LoRaWAN - liefert die technische Grundlage, um eine hohe Anzahl Datenpunkte zu managen und die Daten zuverlässig verfügbar zu machen. Betrieblicher Mehrwert entsteht dann, wenn diese Daten genutzt werden, um Heizkörper oder Lüftungslogiken bedarfsgerecht zu steuern.
Wir als Conneqtive stellen im Chempark eine flächendeckende Infrastruktur als Managed Service - also „as a Service“ - bereit.
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Zur Erhebung und Beobachtung der Raumluftqualität messen LoRaWAN-Sensoren bei uns im Chempark Leverkusen (im Gebäude C 301) Temperatur-, CO2- & Feinstaub-Werte.
Was sich im Betrieb konkret verändert
Ein gut umgesetztes Smart-Heating-System macht Heizverhalten nachvollziehbar. Es zeigt, wo Räume dauerhaft zu warm oder zu kalt sind. Es macht ineffiziente Regelungen sichtbar. Es kann auf blockierte Ventile, ungewöhnliche Temperaturverläufe oder starke Abweichungen im Raumklima hinweisen. Genau solche Hinweise sind im Alltag wertvoll, weil sie den Betrieb handlungsfähiger machen.
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Für Energie- und Gebäudeverantwortliche bedeutet das: weniger Blindflug, weniger manuelle Kontrollen und eine bessere Grundlage für gezielte Maßnahmen.
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Für die Instandhaltung bedeutet es: Probleme werden früher sichtbar.
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Für das Nachhaltigkeitsmanagement bedeutet es: Energieverbrauch und CO₂-Effekte lassen sich besser nachvollziehen.
Kleine Use Cases sind oft der bessere Einstieg
Ich halte Smart Heating besonders dort für stark, wo nicht sofort das gesamte Gebäude saniert werden soll. Ein sinnvoller Einstieg kann beispielsweise ein Gebäudeteil oder eine Gruppe wiederkehrend auffälliger Räume sein. Dort lässt sich prüfen, ob Sensorik, Regelung und Auswertung im Betrieb tatsächlich helfen.
Der schrittweise Ansatz ist im Bestand entscheidend. Erst Transparenz schaffen. Dann Regelverhalten verbessern. Dann Ergebnisse bewerten. Und erst danach skalieren. So wird aus einem technischen Pilotprojekt ein belastbares Betriebsmodell. Lass Dich dazu gerne von meinen Kolleg*innen und mir beraten.
Sofort wirksame Vorteile der smarten Heizungsregelung kurz zusammengefasst
- Energieverschwendung wird vermieden: Sensoren erkennen Präsenz beziehungsweise ungenutzte Räume und passen die Heizleistung entsprechend an. Intelligente Lüftungssysteme und Nachtauskühlung reduzieren den Bedarf an Klimaanlagen.
- Die Umweltbilanz lässt sich verbessern: Reduzierter Energieverbrauch senkt auch CO₂-Emissionen, was zur Erreichung von Klimazielen beiträgt.
- Überwachte Raumluftqualität: Sensoren messen die CO₂-Konzentration. Optimierte Heiz- & Belüftungssysteme sorgen für ein gesünderes Arbeitsumfeld und fördern das Wohlbefinden.
„Durch intelligente Heizungssteuerung realisieren unsere Kunden inzwischen bis zu 30 % Heizkosteneinsparung. Das belegen die verschiedenen Szenarien.“
Murat Mutlu, Solution Portfoliomanager, Currrenta Conneqtive
Mein Fazit
Für mich ist Smart Heating kein abstraktes Digitalisierungsthema. Es ist ein konkreter Ansatz, mit dem sich die Energieeffizienz im Gebäudebestand sofort steigern lässt. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viel Technik einzubauen. Vielmehr muss es darum gehen, dass der Betrieb bessere Entscheidungen treffen und die benötigte Heizenergie gezielt einsetzen kann.
Wer den Energieverbrauch und die CO₂-Emissionen senken will, muss deshalb nicht nur große Sanierungsprogramme anschauen. Selbst minimalinvasive Maßnahmen wie Smart Heating können ab dem ersten Tag bis zu 30 % Einsparung bringen.
Meine Frage an dich ist: Welche Erfahrung machst du in deinem eigenen Gebäudebestand? Liegt der Hebel bei euch eher in den großen Sanierungsmaßnahmen oder in mehr Transparenz und besserer Regelung im laufenden Betrieb?
Hintergrund: Richtlinien und Gesetze erzwingen Maßnahmen zur Energieeinsparung
Die chemische Industrie soll nachhaltiger produzieren, sozial verantwortlicher handeln und transparenter berichten. Ein Maßnahmenkatalog im ESG-Gesetz verpflichtet Unternehmen in punkto Klima und Umwelt unter anderem dazu
- Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen
- ESG-Daten zu erfassen und offenzulegen
- Strategien zu entwickeln, um die ESG-Kriterien zu erfüllen
- ESG-Ziele zu setzen (z. B. bis 2030 CO₂-neutral zu sein)
- Risiken in der Lieferkette zu analysieren
Chemische und pharmazeutische Betriebe müssen zudem detaillierte Informationen zu Umwelt- (Environment), Social- (Soziales) & Unternehmerischen- (Governance) Aspekten (den spezifische ESG-Kriterien) offenlegen und entsprechende Berichte gemäß European Sustainability Reporting Standards (ESRS) verfassen.
Aufgrund der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sind Unternehmen der chemischen Industrie verpflichtet, umfassend über ihre Nachhaltigkeitsleistungen zu berichten, wozu auch die Erstellung eines Carbon Footprint Reports gehört.
Angesichts der aktuellen Anforderungen ist es unerlässlich, den Energieverbrauch, die Steigerung der Energieeffizienz und die verursachten Treibhausgasemissionen systematisch zu erfassen und zu optimieren. Der gezielte Einsatz von LoRaWAN-Technologie ermöglicht es, diese Anforderungen effizient zu erfüllen und gleichzeitig eine belastbare Datenbasis für die Berichterstattung zu schaffen.
Eine transparente Darstellung der Ergebnisse bietet darüber hinaus die Chance, Nachhaltigkeitsfortschritte sichtbar zu machen und sich als verantwortungsbewusstes Unternehmen zu positionieren.